One more Thing

Ich habe ein paar Gedanken zum Apple-Event „One more Thing“ morgen und will sie noch schnell verbloggen. Sind sie schon morgen überholt? Vielleicht, ich bin aber zuversichtlich, dass einige das Event überstehen werden.

1.) Apple Silicon hebt den Mac auf eine neue Stufe

Gut, gut. Da muss man kein Prophet für sein. Ich freue mich vor allem auf höhere Leistung und längere Akkulaufzeiten. Spannend werden aber die Folgen für Apples Plattformen: iPad-Apps laufen künftig auf dem Mac – wahrscheinlich wird das erstmal irgendwie Beta-Flair haben, innerhalb von ein, zwei Jahren wird das aber hoffentlich rund laufen. Heißt: Mehr Spiele, fokussierte Apps, weniger Doppelkäufe (hoffentlich, aber: Apple).

Die iPhone- und iPad-Chips haben eine Menge Zusatzfunktionen, die bald für macOS greifbar sind. Videobeschleunigung, Machine Learning und viel mehr: Künftig gibt es für alles leistungsfähige Beschleuniger im SoC und App-Entwickler werden die ausnutzen.

2.) Macs konfigurieren wird leichter

Apple Silicon wird – ich spekuliere und hoffe hier – für eine übersichtlichere Produktauswahl sorgen: Apple wird sicherlich die Auswahl an unterschiedlichen Konfigurationen reduzieren. Klingt schlecht? Moment: Heute muss sich ein Kunde überlegen, welcher Intel-Core-Prozessor es sein soll: Der i5 oder der i7? Wer weiß denn wirklich, was der Unterschied in der Praxis ist? Klar, in der Tech-Bubble wohl einige, aber da draußen? Apple macht es beim iPad vor: Je nach Baureihe kommt ein bestimmter SoC zum Einsatz und fertig. Wer’s günstig mag, greift zum iPad und verlässt sich auf ordentliche Performance. Mittelklasse ist dann beim iPad Air gut aufgehoben und ganz oben schwebt das iPad Pro mit seinem Hochleistungs-SoC.

Ich vermute stark, Apple wird diese Logik künftig beim Macbook ebenfalls einsetzen: Eine Baureihe, ein Chip. Auswahl lässt man bei der Farbe, beim Speicher, bei der Display-Größe. Vielleicht noch beim RAM; aber ehrlich, s.o.: Welcher Kunde kann das wirklich gut entscheiden? Mich würde es nicht wundern, wenn Apple auch diese Wahl entfernt.

Los geht’s morgen vermutlich mit dem Mittelklasse-Air und dem Highend-Pro. Im ersten Halbjahr 2021 dürften dann die Desktops folgen, also iMac und Mac Mini, vielleicht ein größeres Macbook Pro.

3.) Die Message

Ich würde gerne ein ultraportables Macbook sehen, aber Wayne. Apple wird schon mit dem mutmaßlichen Lineup von Macbook Air und Macbook Pro seine beiden wichtigsten Botschaften transportieren.

Apple Silicon ist …

  • schnell: Die Community wird skeptisch sein, ob Apple Silicon höheren Aufgaben gewachsen ist (nicht vergessen: auch ein Mac Pro soll irgendwann auf Apple Silicon wechseln). Apple wird also die Message treiben, dass Apple Silicon hohe Leistung liefert. Helfen wird, dass
  • energiesparend: Apple Silicon läuft und läuft und läuft und …

Beide Eigenschaften zusammen ergeben das große Potenzial, das Apple für die gesamte Mac-Plattform erschafft.

4.) Die Vorbildfunktion

Hier wird es spannend: Erleben wir ein Beben, das die ganze Branche erschüttern wird? Liest man ja schon: Windows müsse auf ARM umsteigen, um gegen Apple mit den neuen Macs bestehen zu können. Ich bin da skeptisch: Auf den ersten Blick leuchtet das Argument ein. Die olle Intel-x86-Plattform wirkt behäbig und ineffizient gegenüber ARM. Aber:

Es ist eben auch vor allem Apples spezielle Ausgangslage, die sich nicht nur um einen Chip dreht. Viel wichtiger ist das ganze Drumherum: Zum Beispiel eine überschaubare, aber aktive Entwickler-Community, die recht schnell alle wichtigen Programme auf Apple Silicon portieren wird (und meist ohnehin mit iOS-Apps vertraut ist; die neue CPU-Plattform ist ja gar nicht sooo neu). In einem Jahr wird es kaum mehr Mac-Anwendungen geben, die nativ nur auf Intel laufen (und damit die Emulationsschicht Rosetta 2 brauchen).

Überhaupt Rosetta 2: Wer glaubt denn, dass Microsoft es schaffen könnte, eine solche Emulationslösung mit ordentlicher Performance für Windows hinzubekommen? Ich nicht. Aber die braucht Windows mehr als der Mac, weil hier der Umstieg der Software bedeutend länger brauchen würde.

Das liegt natürlich auch daran, dass Microsoft mehrere große Hersteller mitziehen muss, plus viele kleine, plus viele PC-Schrauber. Was ist mit PC-Gamern? Was ist mit Profi- oder Enterprise-Software, Virtualisierung, etc.? Anwendungsfälle, die Apple nicht übermäßig beachten muss (oder will, hint, hint @Hardcore-Gamer und @Bootcamp-User). Apple kann daher zügig seine Baureihen auf Apple Silicon umschwenken. Microsoft kann das mit Windows-Hardware nicht.

Ganz am Rande gefragt: Wer könnte denn SoCs liefern, die an Apples Performance herankommen? Intel? Na! AMD? Die wollen Zen-Chips verkaufen. Am ehesten Qualcomm. Aber an Apple reichen die Snapdragon-Chips bei Weitem nicht heran.

„Dann halt ein Teilumstieg!11einself“ Das scheitert ja bislang daran, dass die Software-Versorgung für ARM-Windows-Ableger nicht so recht in Schwung kommt. Ich hab da keine Hoffnung.

Es gibt also einige Gründe, warum die Windows-Welt nicht so schnell auf ARM umsteigen wird (wenn überhaupt). Zur Einordnung noch ein Gedanke: Apple hat an dem Umstieg auf eigene Chips viele Jahre gearbeitet. Die Windows-Konkurrenz müsste sich ebenfalls auf mehrere Jahre Entwicklungsarbeit (ohne Erfolgsgarantie!) einstellen, bis eine ähnliche Kombi mit Windows und ARM möglich ist. Vielmehr sind jetzt Intel und AMD gefragt, konkurrenzfähige CPUs zu entwickeln. Für Windows erscheint mir das der beste Weg.

5.) Shut up and take my money

Obwohl das hier im Endergebnis ein ziemlicher Jubel-Artikel geworden ist, habe ich schon meine Bedenken:

Wird Apple Silicon wirklich so gut performen, wie alle hoffen? Wahrscheinlich schon.

Klappt der Plattformumstieg so gut, wie Apple uns in polierten PR-Videos glauben machen will? Eher nicht.

Sollte man wirklich ein Generation-Eins-Produkt kaufen? lol, that’s a NO!

Kommt nächstes Jahr ein noch viel schnelleres und besseres Air oder endlich ein Macbook (Pro) mit ProMotion-Display? Vorstellbar.

Ein Touchscreen-Macbook? YEAH!!!!

Wie treibt Apple die Mac-Plattform voran?

Was haben Intel, AMD und Microsoft in petto, um zurückzuschlagen?

Was macht Google mit Android und Chrome OS?

Fragen über Fragen.

Erste Antworten gibt’s morgen. Die wichtigen vielleicht erst in ein paar Jahren. So lange warte ich nicht: Shut up and take my money!