In Stahlgewittern: Wann kapituliert Wulff?

Wulff wähnt sich also in einem „Stahlgewitter“, das er zu überstehen habe. Die Stahlgewitter, die Wulff hier zitiert, sind eine Formulierung von Ernst Jünger, der in seinem Erstlingswerk diese als Bezeichnung für seine Erlebnisse im ersten Weltkrieg nutzt. Der erste Weltkrieg – das wird zuweilen vergessen – war nicht gerade eine Kindergartenrauferei, sondern ein extrem brutaler Krieg, der dank Giftgas, Maschinengewehren und anderen ‚Raffinessen‘ die Worte Material- und Ausblutungsschlachten hervorgebracht hat.

Die aktuellen Debatten rund um Wulff hält jener also vergleichbar mit Schlachten wie Verdun. Auf der einen Seite Millionen Tote, auf der anderen Seite ein Präsident, der nur ein paar Fragen ehrlich und gewissenhaft beantworten müsste. Wie viel schiefer kann ein Vergleich noch werden? Wie kann jemand, der zu so etwas neigt, ein Amt bekleiden, das vor allem mit der Sprache zu wirken vermag?

Generell erstaunt die militärische Rhetorik des deutschen Staatsoberhaupts. Da wird die Frage gestellt, wie der Krieg zu führen sei. Da wird der Rubikon überschritten, als Zeichen der unausweichlichen militärischen Konfrontation. Das erinnert an die ebenso schiefe Konstruktion der Menschenjagd, der damals Guttenberg sich ausgesetzt sah. Auch hier schief: Die Jagd ist erst mit dem Tod abgeschlossen, die Affäre Guttenbergs wäre mit ein paar klugen und ehrlichen Antworten überstanden gewesen.

Ob Deutschland ein Staatsoberhaupt verdient hat, das sich militärischer Rhetorik bedient? Hat er überhaupt eine Ahnung, welche Vergleiche er mit seinen Äußerungen zieht? Kann ein solche Vergleiche ziehender Mensch das Amt des deutschen Bundespräsidenten glaubwürdig bekleiden? Die Worte Ron Swansons auf der „Swanson Pyramid of Greatness“ dürften für Wulff ein ziemliches Hindernis darstellen: „Honor. If you need it defined, you don’t have it“. Wer, wie Wulff, auf das Vergessen setzt, zeigt schon, wes Geistes Kind er ist.